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06.03.2019

Spätgotische „Knechte“ in Mindorf: Kunstwerk des Monats März

Gestühl in der Kirche Mindorf

Gestühl auf der Empore der Kirche St. Stephanus in Mindorf. pde-Foto: Diözesanbauamt Eichstätt, Emanuel Braun

Eichstätt/Hilpoltstein. (pde) - Lange Zeit war die Kirche St. Stephanus in Mindorf (Lkrs. Roth) in der regionalen Kunstgeschichte nahezu unbeachtet. Erst allmählich findet das bemerkenswerte Gebäude aus dem frühen 14. Jahrhundert nicht nur bei historisch Interessierten und Kunstkennern mehr Interesse. In der Filialkirche, die zur Pfarrei Jahrsdorf gehört, kann man über die vielen geschichtlichen Zeugnisse hinaus ein Detail bewundern, das heute großen Seltenheitswert hat: Auf der Empore hat sich ein Gestühl aus der Spätgotik erhalten.

Es handelt sich um drei Bänke, die aus grob behauenen Kanthölzern zimmermannsmäßig gefertigt sind. Sie sind in auf dem Boden liegenden Schwellbalken eingezapft, die mit Querbalken verbunden sind, die die Kniebank bilden. Die seitlichen Pfosten, die sogenannten Docken, sind etwas flacher und schließen oben ab in einer typischen, spätgotischen stilisierten Lilienform, die geschnitzt ist und spitz zuläuft. Die oberen Querhölzer sind durchgesteckt und geben dadurch Halt. Erst nachträglich wurde ein schmales Sitzbrett auf Brettstützen hinzugefügt. Bereits die Bearbeitungsspuren und die Abnutzung der Bänke verraten ein hohes Alter.

Da man kaum Vergleichsbeispiele kennt, ist eine stil- und technikgeschichtliche Datierung schwierig. Im Blick auf die Baugeschichte der Kirche veranschlagt Dr. Emanuel Braun, Leiter des Eichstätter Domschatz- und Diözesanmuseums, eine Datierung auf die Zeit um 1480 bis 1520.

„Im Mittelalter muss man sich die großen Sakralräume generell ohne Bänke für das Volk vorstellen. Unser Gestühl auf der Empore diente nur dem Knien während des Gottesdienstes und war eine Erleichterung für die Gläubigen, weil man sich beim Stehen anlehnen konnte“, erläutert Braun. Solche Gestühle wurden auch „Knechte“ genannt. „Es ist schon faszinierend, wenn man sich vorstellt, wie viele Generationen von Menschen in Mindorf das Gestühl benützt haben, und dass wir es trotz des hohen Alters und der Beanspruchung heute noch bewundern können“, so der Eichstätter Kunsthistoriker. Ein in der Konstruktion vergleichbares Gestühl kann man im Schiff der Mindorfer Kirche finden. Man kann es stilgeschichtlich als frühbarock klassifizieren, weshalb es ebenfalls als große Besonderheit gilt.

Nach den jüngsten Erkenntnissen der Bauforschung ist der Bau der mittelalterlichen Chorturmkirche in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts anzunehmen. In den Jahren 1444/45 wird das Langhaus abgetragen und ein größeres Schiff und ein dreiseitig geschlossener Chor etwas nach Norden versetzt errichtet. 1487 erfährt der Turm eine Erhöhung. Die Gegenreformation bescherte der Kirche eine neue Ausstattung. Seit 1727 ist bekannt, dass es bei den Dächern von Turm, Chor und Langhaus Probleme mit der Konstruktion gibt. 1796 wird deshalb der Turm umgestaltet, und der Chor erhält ein neues Dach. Die folgenden Generationen haben sich immer wieder um Abhilfe bemüht, aber keine dauerhaften Lösungen gefunden. Die kleine Filialkirchengemeinde war stets bestrebt, ihr geschätztes Gotteshaus nach Kräften zu pflegen.

Bei der Forschung und Erfassung der Kunstwerke im Bereich des Bistums Eichstätt kommt es immer wieder zu überraschenden Entdeckungen. Mit der Reihe „Kunstwerk des Monats“ werden auf der Homepage des Domschatz- und Diözesanmuseums solche in der Öffentlichkeit bisher wenig bekannte Objekte von besonderer künstlerischer oder historischer Bedeutung vorgestellt: www.dioezesanmuseum-eichstaett.de.

Die nächsten Termine

Freitag, 27. November
20.00 Uhr
Abendlob - Für wen zünde ich eine Kerze an?
Ort: Schwabach, St. Peter und Paul
Veranstalter: Dekanat Roth-Schwabach