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02.09.2016

Wunde zur Perle verwandeln

Den Beleidigern gern verzeihen“ ist in meinen Augen das schwierigste Werk der Barmherzigkeit, die größte Herausforderung für mein Christsein. Dem Menschen, der mir Leid und Schmerz zufügte, mich verletzte, bloßstellte, misshandelte, demütigte, verlachte, kränkte, verleumdete, mobbte…, gerne zu vergeben, d.h. ihm die Schuld erlassen und auf seine Wiedergutmachung, ja sogar auf seine Entschuldigung verzichten – ist kaum möglich.

Verlangt Jesus Christus tatsächlich von mir, dass ich den Beleidigern gern vergebe und verzeihe, oder ist das nur ein Überforderungsideal?

Das Evangelium ist hier „unbarmherzig barmherzig“. Die Aufforderung Jesu zum Vergeben ist eindeutig. Und dabei geht es nicht nur um den gesellschaftlichen Frieden, sondern vielmehr um das Heil meiner Seele, um die „Verwandlung meiner Wunde zur Perle“ – wie die Hl. Hildegard von Bingen sagte.

Be-LEID-digung trifft meine sensible Stelle, es kratzt an dem, was mir wichtig, wertvoll und heilig ist. Dabei werden auch mein Ego und mein Stolz in Leidenschaft gezogen. So entsteht in meinem Herzen Hass, also eine negative Energie, die mich von innen zerstört.

Durch die Vergebung wird „das Messer des Beleidigers“ aus meiner Wunde herausgezogen und ich steige aus meiner „Opferrolle“ aus.

Mir ist bewusst, dass Gott alles weiß und alles wahrhaft, gerecht und barmherzig beurteilt. Ihm soll ich die Gerechtigkeit (Rache) überlassen. Er wird auch meine seelischen Verletzungen mit dem Balsam seiner Gnade heilen.

Dadurch, dass ich gerne inständig verzeihe, breche ich den Teufelskreis der Vergeltung und überwinde das Böse durch das Gute. „Tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf das Haupt deines Feindes“ (Röm 12,20-21).

Welche Schritte sind dabei hilfreich?

  • Das Wort Gottes über Vergebung und Barmherzigkeit verinnerlichen. Dies verändert meine Denkweise, erweicht das Herz und bewegt mich zu Taten der Liebe.
  • Den Beleidiger „ins Gebet nehmen“ und ihn segnen. Das heilt meine Verletzungen, ändert meine Haltung und befähigt mich, dem „Feind“ das Beste zu wünschen.
  • Mein Leid den mir vertrauten Menschen anvertrauen, das Heil in den Sakramenten der Beichte und der Hl. Kommunion annehmen.
  • Bei wiederkehrender Wut 77 Mal in Gedanken verzeihen und das Stoßgebet wiederholen: „Gott, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34)

Eins muss mir klar sein: „Den Beleidigern gerne zu verzeihen“ wird nur mit Gottes Hilfe möglich sein…

 

Msgr. Dr. Josef Hernoga, Schwabach, 2.09.16

PS.: Perlen entstehen, wenn eine Muschel verletzt wird und sich daraufhin Teile ihrer Schale Schicht für Schicht im Inneren der Muschel ablagern.

Die nächsten Termine

Samstag, 15. Juni
09.30 Uhr
10.00 Uhr
19.00 Uhr
Outdoor spirituell
Ort: Schloßberg
Veranstalter: Dekanat Roth-Schwabach und Pastoralraum Hilpoltstein
Sonntag, 16. Juni
19.00 Uhr
Dekanatsabendgottesdienst
Ort: St. Elisabeth, Eckersmühlen, Am Föhrenbaum 6
Veranstalter: Dekanat Roth-Schwabach
Samstag, 22. Juni
09.30 Uhr